Lernen sichtbar machen

Reflexion ist mehr als ein kurzer Rückblick.
Sie ist die Brücke zwischen Erleben und Verstehen, zwischen Tun und Lernen.

Wenn Kinder beginnen, über ihr Lernen nachzudenken,
über ihre Erfolge, Strategien und Schwierigkeiten,
dann entsteht genau das, was Schule so oft vermisst:
Selbststeuerung und echtes Lernbewusstsein. Für die Darstellung im Klassenraum findet ihr HIER meine Vorlage.


Warum Reflexion so wichtig ist

Im hektischen Schulalltag bleibt oft wenig Zeit, um anzuhalten und nachzudenken.
Doch gerade dieser Moment ist entscheidend:
Denn nur wer über das eigene Lernen nachdenkt,
kann Fortschritte wahrnehmen und nächste Schritte planen.

Reflexion fördert:

  • Metakognition: Kinder verstehen, wie sie lernen.
  • Selbstwirksamkeit: Sie erleben: „Ich kann etwas verändern.“
  • Motivation: Wer Erfolge erkennt, will weiterlernen.
  • Verantwortung: Lernen wird zur eigenen Aufgabe – nicht zur fremdgesteuerten Pflicht.

Formen der Reflexion

Reflexion kann in der Schule auf ganz unterschiedliche Weise stattfinden – spontan, strukturiert oder ritualisiert.
Wichtig ist, dass sie regelmäßig und altersangemessen geschieht.

1. Wöchentliche Reflexion

Am Ende der Woche innehalten:
Was habe ich gelernt? Woran bin ich gewachsen?
Was war schwierig, und was hat mir geholfen?

Diese Form eignet sich perfekt für ein Lerntagebuch oder eine Wochenziel-Seite.
Kinder schreiben oder malen hinein,
was sie geschafft haben und was sie sich fürs nächste Mal vornehmen.

2. Reflexionsgespräche

In Kleingruppen oder im Sitzkreis:
Kinder erzählen, wie sie gearbeitet haben – nicht nur was sie gelernt haben.
Die Lehrkraft moderiert, gibt Impulse und spiegelt Beobachtungen.

Beispielhafte Fragen:

  • Wann hast du dich konzentriert gefühlt?
  • Was hat dir geholfen, dranzubleiben?
  • Wie bist du mit Fehlern umgegangen?
  • Worauf bist du stolz?

3. Lernziel-Reflexion

Gerade im kompetenzorientierten Unterricht ist es zentral, dass Kinder wissen:

Was war mein Lernziel – und wie nah bin ich schon dran?

Kompetenzraster, Checklisten oder Lerntheken bieten eine Grundlage.
Reflexion wird hier zur Selbstdiagnose:
Kinder markieren, wo sie sich einschätzen,
und besprechen mit der Lehrkraft, welche Schritte folgen.

4. Verhalten reflektieren

Reflexion betrifft nicht nur Wissen, sondern auch Verhalten und Zusammenarbeit.
Mit einfachen Skalen oder Symbolen („Sonnen, Wolken, Sterne“)
können Kinder einschätzen:
Wie war ich heute als Lernpartner?
Wie habe ich zur Gruppenarbeit beigetragen?


Das Lerntagebuch als Anker

Ein Lerntagebuch schafft Struktur und Routine.
Es bietet Raum für persönliche Gedanken, Gefühle und Lernziele.
Kinder lernen, ihr Denken zu ordnen und Fortschritte zu dokumentieren. Meine Vorlage findet ihr HIER!

Ein einfaches Raster genügt:

Montag – Planung:

  • Mein Wochenziel
  • Was will ich tun, um es zu erreichen?
  • Wie fühle ich mich zum Start?

Freitag – Rückblick:

  • Habe ich mein Ziel erreicht?
  • Was ist mir gut gelungen?
  • Was will ich nächste Woche besser machen?

So wird das Tagebuch zum Werkzeug für Selbstreflexion –
und zu einer wertvollen Gesprächsgrundlage zwischen Kind, Lehrkraft und Eltern.


Reflexion ist Haltung, kein Zusatz

Reflexion ist kein „Extra“, das man einfügt, wenn Zeit bleibt.
Sie ist ein fester Bestandteil guten Unterrichts.
Denn sie macht Lernen bewusst, sichtbar und bedeutsam.

Wenn Kinder regelmäßig reflektieren,
lernen sie, Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen –
und entwickeln Schritt für Schritt genau das,
was wir uns alle wünschen:
Selbstständigkeit, Einsicht und Wachstum. 


Lernen ist kein Ziel – es ist ein Weg.
Reflexion ist das Licht, das ihn sichtbar macht. 

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