Mathematik beginnt mit dem Verständnis für Zahlen. Doch Zahlen sind für viele Kinder zunächst abstrakte Begriffe. Um diesen abstrakten Zahlenleben einzuhauchen und sie begreifbar zu machen, braucht es konkrete Materialien. Ein solches Material ist die Zahlentreppe, die ich in liebevoller Handarbeit selbst erstellt habe – und die seither fester Bestandteil meines Mathematikunterrichts ist.
Auf dem Bild sieht man eine einfache, aber äußerst wirkungsvolle Konstruktion: An einem Holzgestell hängen Perlenstäbe, sortiert von 11 bis 20. Jeder Perlenstab setzt sich dabei aus einem goldenen Zehnerstab und einer farbigen Einer-Perlenkette zusammen. Diese klare visuelle Trennung hilft den Kindern, zweistellige Zahlen in ihre Bestandteile zu zerlegen – ein entscheidender Schritt im Aufbau des Stellenwertverständnisses.
Die Zahlentreppe macht Zahlen sichtbar und greifbar. Die Kinder können die Stäbe in die Hand nehmen, sie zählen, vergleichen und ordnen. Sie sehen: 13 ist mehr als 11, aber weniger als 15. Sie erkennen: 14 besteht aus einem Zehner und vier Einern. Und sie verstehen: Jede Zahl zwischen 11 und 20 hat einen gemeinsamen Aufbau – einen Zehner plus x Einer. Diese Einsicht ist enorm wichtig für das spätere Rechnen mit größeren Zahlen.
Durch die Arbeit mit der Zahlentreppe entwickeln die Kinder ein ganzheitliches Zahlenverständnis. Sie begreifen, dass Zahlen nicht nur aus Ziffern bestehen, sondern eine innere Struktur haben. Diese Struktur erkennen sie durch das konkrete Material – sie erleben Mathematik mit allen Sinnen. Das Anfassen, Abzählen, Umhängen und Vergleichen fördert nicht nur das Verständnis, sondern auch die Motivation und Freude am Fach.
Ich habe die Zahlentreppe bewusst aus Holz gefertigt, stabil und kindgerecht. Jedes Detail wurde mit Blick auf den täglichen Einsatz im Klassenzimmer geplant: Die Perlen sind fest montiert, die Zahlen klar lesbar beschriftet, die Höhe der Konstruktion kindgerecht angepasst. Es ist ein Material, das nicht nur funktional ist, sondern auch ästhetisch ansprechend – und damit die Wertschätzung für den Mathematikunterricht unterstreicht.
Die Zahlentreppe wird im Unterricht vielseitig eingesetzt: zum Ordnen, zum Zerlegen von Zahlen, zum Addieren, Subtrahieren und Vergleichen. Sie ist ein zentrales Element in der Phase des Erlebens (nach dem EIS-Prinzip), auf dem sich die weiteren Schritte – das Ikonisieren und Symbolisieren – aufbauen.
Für mich zeigt die Zahlentreppe einmal mehr: Mathematik ist nicht nur Kopfsache – sie beginnt mit den Händen, mit dem Tun, mit dem Begreifen. Und genau das macht guten Unterricht aus.





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